Vor 80 Jahren: Die ersten freien Wahlen in Mannheim
Shownotes
GESCHICHTEN AUS DEM BUNKER
Der Podcast aus dem MARCHIVUM, Mannheims Archiv, Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung. Eine Koproduktion mit der Kulturredaktion des bermuda.funk – dem Freien Radio Rhein-Neckar e. V., unterstützt vom Freundeskreis MARCHIVUM.
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00:00:03: Ja und unser Thema heute ist Demokratie in Mannheim, die ersten freien Wahlen.
00:00:35: Vom Bermuda-Funk und in unserem Studio ist Christian Groh Historiker im Archivum.
00:00:41: Hallo, hallo!
00:00:43: Am sechsenzwanzigsten Mai nineteenhundertsechsundvierzig fanden die ersten freien Wallen statt in den Städten der US Besatzungszonen.
00:00:53: Vielleicht blicken wir aber zunächst nochmal kurz zurück aufs Kriegsende.
00:00:56: ein Jahr zuvor Noch am XXVIII.
00:00:59: März XIV wurden drei Meller Stand rechtlich erschossen, die auf dem Turm des Fetterkaufhauses eine weiße Fahne histen.
00:01:07: Einen Tag später wurde Mannheim befreit von den US-Streitkräften.
00:01:12: für viele Mannheimer Innen fühlte sich das wahrscheinlich gar nicht so an wie eine Befreiung eher als eine Niederlage, denn es gab ja viele Mitläufer und Täter der Nationalsozialisten in der Stadt, die aktiven Widerstandskämpfe Jüdische Menschen sind die Roma, sie alle waren ja im KZ oder Zuchthaus und etliche ermordet.
00:01:33: Auf jeden Fall am neunzwanzigsten März haben dann die Mannamertruppen die Innenstadt besetzt und am dreißigsten war der Krieg in der Stadt vorbei.
00:01:41: Die Militärregierung übernahm und sie setzte als erstes einen Bürgermeister ein.
00:01:47: Warum?
00:01:48: Und wer war das
00:01:49: Genau.
00:01:49: Also zunächst waren wir klar, dass Deutsche vor allem Nationalsozialisten nicht mehr das Sagen haben sollten.
00:01:54: die Militärregierung übernahm aber es musste natürlich allein wegen der Sprachbarrieren noch weil der Krieg nicht zu Ende.
00:02:00: er war zwar in Mannheim erst mal wann die Kampfhandlung beendet aber man befand sich ja auch im Kriegszustand brauchte man dann auch aus der deutschen Gesellschaft Leute die Verantwortung übernehmen Den Mangel muss man sagen verwalten sollten.
00:02:15: und dafür haben die Amerikaner dann Josef Braun eingesetzt, der schon vor neunzehntreiunddreißig auch aktiv war in der Stadt.
00:02:23: Und in den sogenannten Rumverwaltungen, die noch übrig geblieben waren, die Nazis hatten sich alle aus dem Staub gemacht.
00:02:28: aber er war noch da, war auch Angestellter der Stadt und war früher Zentrumsmitglied also Mitglied der viel christlich-konservativ geprägten Partei.
00:02:37: Die Amerikanern hatten ihn vertrauen, haben ihn als Bürgermeister eingesetzt.
00:02:40: Also es war die Zertrauen, sie brauchten jemanden der in der Stadt die Geschäfte führte weil sie ja von gar nichts wussten.
00:02:46: Genau das entsprach auch eigentlich dem Vorgehen den allen Städten in denen die Amerikaner übernommen haben dass man eben politisch unbelastete Menschen oder zumindest Menschen die des Nationalsozialismus unverdächtig waren eingesetzt als Bürgermeister und von da auf dann die Verwaltung aufgebaut hat.
00:03:03: Dass
00:03:04: Sie das so schnell konnten
00:03:06: Ja, also die Informationen waren da.
00:03:09: Da gab es ja durchaus schon während der Kampfhandlung Kontakte beziehungsweise Forschung auf den ehemaligen Immigranten.
00:03:17: Josef Braun war von daher kein Unbekannter und er hat sich dann sozusagen noch zwei Mitstreiter, zwei von der SPD dazu genommen und dann hat man so was wie ein Rat eingesetzt tatsächlich dem einen Mensch aus der KPD und zwei weitere aus der SPD Teilnahmen, denen die Amerikaner dann anerkannt haben.
00:03:35: Am Anfang war das alles noch recht unklar.
00:03:36: man hatte den Bürgermeister eingesetzt und dann eigentlich immer mehr toleriert.
00:03:41: Man hat auch zum Beispiel Parteien toleriert.
00:03:44: also eigentlich war ein Verbot erst mal im Parteiverbot ausgesprochen worden.
00:03:48: ehemalige Mannheimer Sozialdemokraten und wenige Sozialdemokratinnen haben sich allerdings noch vor diesem Kriegsende am achten Mai also noch im April nineteen vierzig getroffen überlegt wie soll es weitergehen dass wir eigentlich verboten von der amerikanischen Militärregierung.
00:04:02: Aber sie haben das geduldet, wohl wissen dass die SPD vielleicht keine große Gefahr jetzt für ihre Zwecke darstellt und weil man wohl geahnt hat, man muss diese Demokratie irgendwie wieder von unten aufbauen und sollte da nicht zu rasch vorgehen.
00:04:16: aber sie blieben bis Oktober verboten.
00:04:18: Ja das wollte ich auch fragen hatten die Amerikaner denn direkt im Sinn irgendwann Wahlen durchzuführen?
00:04:25: also das zuzulassen, dass gewählt wurde.
00:04:28: Man kann sich auch vorstellen, dass sie einfach ein großes Misstrauen hatten gegenüber diesen Menschen in dieser Stadt.
00:04:34: Also vor Ort konnte man ja auch nur Befehle befolgen.
00:04:38: Das war ja alles dann eine Sache der ganz großen Politik in Washington, die Sie und von den anderen Alliierten in Paris, London und Moscow Von Anfang an war eigentlich noch gar nicht geplant oder war nicht klar was man machen sollte tun sollte Wie gesagt, Parteien wurden dann im Oktober zugelassen und dann hat man auch überlegt wie bauen wir das Ganze jetzt auf?
00:04:57: Wir wollen gründlich entnazifizieren.
00:04:58: Das hat man anfangs auch getan.
00:05:00: Die Nazis oder nationalsozialistische Gedanken kamen erst später in die Politik zurück.
00:05:05: Erstmal war man da sehr gründig Und hat dann auch gesagt okay wir müssen Verantwortung abgeben und die sollte aber nicht von Orben verordnet sein sondern wirklich gewählt werden.
00:05:14: Und die ersten Vorbereitungen fanden dann schon im oktober statt.
00:05:16: und dann zog sich das hin bis Mai die ersten Wahlen in der amerikanischen Besatzungszone stattfanden, im September dann auch in der britischen Besatzung und den Groß Berlin.
00:05:29: Was damals ja noch nicht geteilt war.
00:05:32: Ja es ist erstaunt mich nur weil ich meine nach so einem Krieg Nazi Deutschland hatte ja wirklich verheerendes Leid über das ganze Europa gebracht und dass man denen dann zutraut demokratisch zu wählen, dass man nicht sagt ich mache.
00:05:46: Ich ziehe hier eine Besatzung durch über viele Jahre das hat mich jetzt auch gewundert, dass das so schnell dann in den Köpfen klar war ne wir wollen hier eine Demokratie aufbauen.
00:05:55: Das muss man vielleicht auch die große Weltpolitik schauen, dass ja aber keine.
00:05:59: dann auch der Krieg war nicht zu Ende Er war in Europa zu Ende, aber nicht im pazifischen Raum.
00:06:04: Und dass man ja dann auch tatsächlich auch militärisch käfte, brauchte er aber auch die Militärregierung noch andere Aufgaben hatte und sicher hat dann auch die Systemkonkurrenz zur Sowjetunion eine Rolle gespielt, dass man irgendwann wurden jetzt auch die ehemaligen Feinde Deutschland zu Partnern im Kalten Krieg.
00:06:21: Das ist zwar wesentlich später gewesen...
00:06:23: ...aber
00:06:24: man hat das sicherlich auch kommen sehen und geahnt.
00:06:30: Ja, also die Parteien
00:06:32: wurden
00:06:32: erlaubt.
00:06:33: Welche Parteien bildeten sich denn?
00:06:35: Also sehr früh haben sich tatsächlich ehemalige Sozialdemokraten und Kommunisten wieder getroffen.
00:06:41: Es gab dann noch das ehemaltige Zentrum was später dann weitestgehend personell in die CDU überging.
00:06:47: Also wieder eine christlich geprägte konservative Partei und die ehemalligen Liberalen die als deutsche Volkspartei sich wieder gründeten.
00:06:55: Das waren die vier Parteien, die dann auch im Mai ... ... forty-six in Mannheim antragen und den meisten angestehten
00:07:01: auch.
00:07:02: Ja also die Nazis dürfen sie natürlich nicht widerbilden?
00:07:05: Haben die irgendwelche Tarnparteien noch aufgebaut?
00:07:09: Zumindest habe ich da jetzt in der Vorbereitung diesen Vortrag nicht viel gefunden.
00:07:11: Es gab Gabby des Wehrwölfer am Schluss des Krieges aber politisch waren Sie zunächst mal in den ersten Nachkriegsmonaten ausgeschaltet.
00:07:19: Sie haben sich zumindest nicht organisiert oder nicht so organisiert dass es quellenkundig wurde.
00:07:24: Das verbot man das sehr klar, was man aber schon sieht wenn man sich die Wahl ergeben so anguckt oder auch eine sehr interessante Akte eigentlich über diesen Wahlvorgang, diesen Wahlprozess.
00:07:34: Die Amerikaner wussten nicht, aber auch die deutschen Politiker wussten wie werden diese Wahlen akzeptiert?
00:07:38: Weil sie waren von oben verordnet.
00:07:41: Wie wir heute wissen, es gibt ein Grundgesetz da stehen wahlen drin und haben die Möglichkeit uns zu beteiligen über diese wahlen.
00:07:48: damals gab es Vorbehalte, das wussten die Amerikaner auch und kamen zum Ausdruck z.B.
00:07:53: auf ungültige Wahlzetteln.
00:07:55: Und auf diesen ungüeltigen Wahlzätteln, das ist sehr schön dokumentiert.
00:07:58: in dieser Akte des Wahlamts wurden Notizen hinterlassen oder wurde z. B. einige Male alle Parteien durchgestrichen, alle Kandidaten und NSDAP draufgeschrieben.
00:08:09: Das waren nicht besonders viele aber dieses Gedankengut war natürlich noch da Aber ist nicht stark zum Ausdrück gekommen.
00:08:17: Haben die Menschen gedacht, sie müssen wählen?
00:08:20: Weil das vielleicht ... Sie dachten jetzt sind die Amerikaner da.
00:08:22: Die schreiben Wahlen aus, dann muss man hingehen.
00:08:25: Weil die Wahlbeteiligung war ja so hoch.
00:08:27: Die Wahlbesteiligung ist mit seventy- zwei Komma sechs Prozent sehr hoch.
00:08:30: Ich hab's nicht ganz verifizieren können, aber ich glaub es war die höchste seit forty-seit bis heute.
00:08:36: Was haben wir heute?
00:08:38: Ich glaube wir hatten letztes Jahr bei der Landtagswahl allerdings vierundfünfzig Prozent.
00:08:42: Bei den Kommunalwahlen siehts eigentlich nur schlechter aus.
00:08:45: Also, ich war sehr hoch.
00:08:46: Das ist auch so eine Frage die mich beschäftigt hat eben... Ist das ein Gefühl der Pflicht oder ist es ein Gefühl wo?
00:08:53: ich habe jetzt wieder Rechte?
00:08:54: Ich kann mich beteiligen!
00:08:56: Ich glaube eher Letzteres.
00:08:58: Es gab wohl beides.
00:08:59: Ich konnte nicht mehr refizieren aber eben diese Kommentare auf unkürtige Wahlzetteln, da ist eigentlich alles dabei.
00:09:04: Ich hab die ehemaligen Nazis erwähnt.
00:09:06: Es gibt aber auch welche, die gesagt haben ich wählen nicht und jetzt auch draufgeschrieben auf die Wahlzette.
00:09:10: Ich wähle nicht weil die Amerikaner sind nicht besser Oder ich wähle nicht, solange mein Mann ganz konkret aus Kriegsgefangenschaft zurück ist.
00:09:19: Warum soll ich da wählen gehen?
00:09:20: oder es gab noch Hunger?
00:09:21: Also auch das war natürlich sehr prägend!
00:09:24: Es war eine Trümmerstadt und es war auch schwer wahlen überhaupt zu organisieren.
00:09:29: Es war eigentlich ein Vertrauensvorschuss, dass die Menschen in so hoher Zahl wählen gegangen sind.
00:09:33: Weil sie einen Glauben hatten es wird sich irgendwas verändern oder verbessern und es musste sich vieles verbessern.
00:09:38: Es gab eine Mangelernährung es gab Warnungen vor Krankheiten und solchen.
00:09:43: es gab nicht genug Wohnraum.
00:09:46: Vor dem Hintergrund, würde ich denken, haben die meisten Mannheimerinnen zumindest die, die zur Urne Wahlwander gegangen sind.
00:09:52: Es ist als Chance begriffen und vielleicht auch als großes Recht in
00:09:56: der Politik.
00:09:56: Die Kommunisten, die Sozialdemokraten hier haben ja sicher sehr mit viel Hoffnung auf diese Wahlen geblickt.
00:10:03: Genau.
00:10:04: Aber jetzt du hast das ja gerade angesprochen?
00:10:06: Die Not in Mannheim!
00:10:08: Hat sich das dann in den Wahlversprechungen oder Wahlzielen niedergeschlagen?
00:10:14: Habt man dann gesagt, wir wollen Wohnraum schaffen.
00:10:16: Oder was waren so die Wahlziele?
00:10:19: Tatsächlich, also es war natürlich auch mit aus heutiger Sicht sehr pathetischen Worten verbunden Die Warnaufrufe und die Wahlprogramme wenn man so will.
00:10:29: Man hat sich natürlich ganz klar abgegrenzt zum Nationalsozialismus und gesagt, wir sind die wahren Echten unter der Demokratie.
00:10:37: Man weiß sich aber durchaus bewusst das kommt auch in den Kundgebungen und im Parteiprogramm klar heraus.
00:10:44: Wir müssen jetzt auch liefern Und das sagen alle Das hat auch Vertreter der Militärregion gesagt irgendwie Diese Wahlen sind ein Test.
00:10:56: Es ist schwer mit leeren Magen wählen zu gehen.
00:11:00: Im Sinn gemäß war das auch ein Ausdruck, den man gebracht hat.
00:11:04: Das ist ein Vertrauensvorschuss, den uns die Menschen in Mannheim jetzt geben oder in anderen Städten auch und danach müssen wir liefern.
00:11:11: Und dann waren tatsächlich diese Themen im Wohnraumschaffung das mal echt das größte Problem weil der Wohnraumer zu siebzig Prozent zerstört.
00:11:21: Menschen wollten zurück in die Stadt, die weggegangen sind wegen Kriegszustände wollen nach Mannheim kommen.
00:11:28: es kamen viele Migranten freigelassene Kriegsgefangene, aber auch sogenannte Displaced Persons.
00:11:34: Den Mannheim wählen wollten als Befreite aus Konzentrationslagern aus Haft und alle brauchten einen Wohnraum und es gab sehr wenig.
00:11:43: Das war also ein Programm und das andere war tatsächlich die Ernährungslage zu verbessern was sich alle vier Parteien, die angetreten sind auf die Fahnen geschrieben
00:11:52: haben.
00:11:52: Und wie hat man Wahlkampf geführt?
00:11:55: Gab es Flugblätter oder, ich kann mal sich das vorstellen.
00:11:58: Über ein Papier gab's wahrscheinlich sehr wenig nur, ne?
00:12:00: Genau.
00:12:01: Ein Papier gibt's sogar so wenig dass im Oktober schon die übergeordnete Behörde in Baden den Karlsruhe saß und gesagt hat an die Kommunen geschrieben hat, dass wir wollen im nächsten Jahr für forty-sechzig Wahlen durchführen.
00:12:14: Die Wahlumschläge müssen so und so aussehen.
00:12:16: also es war eine bestimmte Norm, eine bestimmten Größe oder sie müssen bedruckt sein und dann schon geschrieben haben ist das wahrscheinlich nicht genug Papier vorhanden?
00:12:23: deshalb waren mir jetzt schon mal vor kümmert euch als Stadt darum dass ihr genug Briefumschläge habt die denn auch gültig sind und das gilt natürlich auch für die Parteien in den Wahlkampf.
00:12:32: Es gab Also ich habe das ein bisschen verglichen mit den Wahlen in den letzten Jahren über Social Media, wo man versucht hat junge Menschen zu erreichen und es sind sehr originelle Wahlwerbungen auch gab.
00:12:43: Für die Wahlen an sich dass man wählen geht als auch für die Parteien selbst.
00:12:47: Damals gab's eigentlich nichts.
00:12:49: Es gab noch keine Zeitung.
00:12:51: im Mannheim ist erst ab Juli, also drei Monate nach Diesen Wahlen, der man im Morgen zugelassen worden.
00:12:57: Bis dahin hat die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg berichtet und das Amtsblatt wurde von einer Militärregierung noch herausgegeben dann mit der Stadtverwaltung zusammen.
00:13:05: Hat denn hier jemand Rhein Neckar Zeitung kaufen können?
00:13:07: Lesen können?
00:13:08: Ja, die gab es schon.
00:13:09: Die hat sich wohl auch ausgelegt.
00:13:10: Sie hat auch wirklich ausführlich berichtet aber die Parteien selbst hatten eben wenig Möglichkeiten.
00:13:15: Es gab tatsächlich Lautsprecherdurchsagen.
00:13:19: Mit dem Auto durch die Stadt gefahren haben wir sich geworben.
00:13:22: Es gab auch Tafeln Kreide an Häusern wählt KPD.
00:13:27: Es gibt mehr in Fotos, aber auch andere Parteien und es gab auf Flugblätter sehr wenig, aber kaum Plakate und eben kaum Möglichkeit sich zu informieren.
00:13:34: Und natürlich gab es Versammlung wo die Menschen eingeladen wurden und was da vielleicht auffällig ist und ganz anders als heute logischerweise aber auch vielleicht notwendig war für den Hintergrund dass die Parteien zu gemeinsamen Kundgebungen aufgerufen haben.
00:13:50: Also einträchtig CDU, SPD und KfD selbst die Kommunisten, die später verboten wurden gemeinsam Kundgebung gemacht haben für die Demokratie geworben haben und gesagt haben wir kümmern uns und achten darauf das es euch bald besser geht.
00:14:07: Es gab auch eine Konkurrenz.
00:14:08: klar ich wurde dann auch klargemacht.
00:14:12: Und viele hat dann was anderes gesagt, oder wie war das?
00:14:16: Ja.
00:14:18: Also sie haben unterschiedliche Nürschen gehabt aber ganz klar war wir wollen den Nationalsozialismus überkommen Wir wollen selbst wieder Verantwortung übernehmen.
00:14:25: Deshalb Werbung für diese Wahlen gemacht haben und dann natürlich klar gemacht haben das in unsere Positionen.
00:14:30: Das war eine sehr gesunde demokratische Konkurrenz.
00:14:36: Man hat sich gegeneinander auf sich eingeschlagen sondern man weiß nicht Wir wollen, dass die Nazis weg sind und wir wollen aber selbst auch wieder aufbauen.
00:14:44: Ja, interessant ist das gehabt, gell?
00:14:47: Also Papier hat man sich dann irgendwie organisiert für die Wahlen.
00:14:50: Das hat wohl geklappt mit den Wahlunterlagen.
00:14:53: Wo waren denn da die Wahllokale?
00:14:55: Ich habe Mannheim ziemlich zerstört vor mir zumindest in der Innenstadt.
00:14:59: Da war ja kaum noch ein Stein auf dem anderen.
00:15:01: Wo konnte man denn da wählen?
00:15:03: Ganz viel also eigentlich ob ihr heute noch viele Schulräume tatsächlich zum Teil zerstört.
00:15:09: Und es gibt Fotos von Wahllokalen auch, wo man sieht, das waren eigentlich noch Ruinen.
00:15:14: und es gab irgendwie zwei Teilräume die intakt waren und da waren dann die Wahlräume.
00:15:19: Wow!
00:15:20: Wurde in allen Städten gleichzeitig gewählt?
00:15:22: In Baden-Württemberg?
00:15:23: Genau, innerhalb Badens also den badischen Teil der US Besatzungszone im Mannheim Karlsruhe Heidelberg
00:15:30: und Vorzeichen Wie war der Ausgang?
00:15:34: Der Ausgang, wie gesagt von der Beteiligung sehr hoch.
00:15:37: Zweiundseintigkommen sechs Prozent.
00:15:38: Stärkste Partei in Mannheim wurde die SPD.
00:15:41: Zweitstärkster die CDU.
00:15:44: dann kommen die DKP und die DVP?
00:15:47: KPD Entschuldigung.
00:15:48: Kampfnistische Partei Genau!
00:15:50: Und das schlug sich so nieder.
00:15:52: Es gab zehn SPD-Genossen im Stadtrat neun von der CDU.
00:15:59: Drei von der KPD und ein von der DVP.
00:16:02: Und es waren jetzt auch, also ich habe jetzt männlich gesprochen.
00:16:06: Es war eine hauptsächlich männliche Delegierte.
00:16:09: die DVP hatte gar keine weiblichen Kandidate, also keine Kandidatinnen.
00:16:12: Die SPD und KPD hat prozentual die meisten ins Rennen geschickt aber auch nur drei von insgesamt zweiundzwanzig Kandidaten.
00:16:20: Was durchaus damals auch thematisiert wurde, auch in Zeitungsartikeln wurde an die politische Verantwortung der Frauen appelliert tatsächlich auch von Journalisten.
00:16:32: Früher haben die Frauen das gewählt, was die Männer gesagt haben.
00:16:35: Jetzt müssen sie selbst Verantwortung übernehmen und sollen das wählen, wovon sie überzeugt sind.
00:16:39: Man hat sich also auch im Wahlkampf schon sehr direkt an Frauen gewendet, die ja tatsächlich dadurch, dass viele in Kriegsgefangenschaft oder gefallen waren oder verfolgt waren, viele Männer, viel mehr Verantwortung übernommen mussten während der Kriegsjahre... Und
00:16:53: danach auch?
00:16:55: Eigentlich auch da in der Zeit, es waren die Trümmerfrauen, die da so stark mit angepackt haben Mannheim aufzubauen.
00:17:02: Aber gut das Wahlrecht für Frauen gab es noch gar nicht mal so lange wenn man das historisch hielt.
00:17:07: Demokratie hat ja Deutschland auch nicht lange gehabt.
00:17:09: wie viele Jahre?
00:17:10: Genau!
00:17:10: Es gab keine
00:17:12: große
00:17:12: Erfahrung.
00:17:13: Also ich glaube die gab's nur von nineteen bis zweiunddreißig eigentlich und nicht bis dreiunddreißig.
00:17:18: Die waren weil sie mehr frei ist ganz wenig, wenn man es mit heute vergleicht.
00:17:22: Und tatsächlich gab es dann auch die aus heutiger Sicht eigentlich absurde Idee, wir müssten irgendwie rausfinden.
00:17:30: Wie wählen die Frauen?
00:17:31: Wie wählten die Männer?
00:17:32: Es wurde im Wahlausschuss in Mannheim diskutiert ob man nicht getrennte Uhren aufstellen soll oder zumindest die Wahlzettel markieren könnte männlich weiblich.
00:17:41: da hat aber die übergeordnete Behörde in Baden und Karlsruhe.
00:17:46: Das machen wir nicht, das geht zu weit.
00:17:49: Aber heute hat man die Marktforschung, da sieht man es ja... Ja aber interessant auch!
00:17:53: Es gab zwei Frauen, also Caroline Ludwig von der SPD und Janette Langdorff von der KPD Und die Frau war ja sehr interessant weil sie ja aus dem KZ direkt kam kann man so sagen, ne?
00:18:04: Genau, Landet Langdorf in Rahmsbrück, ihr Mann war in verschiedenen Konzentrationslagern eingesessen
00:18:11: Und er mordet worden ist er
00:18:13: Genau, Dettelangdorf hat überlebt.
00:18:15: Die Befreiung erlebt.
00:18:17: Generell sind ganz viele von den antretenen Kandidaten und Kandidatinnen aber auch von den Gewählten.
00:18:22: Ungefähr die Hälfte hatten der politischen Vergangenheit.
00:18:26: Das war tatsächlich ein altes Durchschnitt, das war nicht besonders niedrig, weil alle so in den Achtzigern und Achtzigerjahren geboren, also dann schon ... Und hatten aber den Vorteil eben, dass sie achtzehntreiunddreißig auch schon politisch aktiv waren.
00:18:38: Die Hälften waren tatsächlich politisch verfolgt.
00:18:39: Also ganz viele waren in Haft!
00:18:41: oder hatten sie versteckt und drei davon eben auch in Konzentrationslager
00:18:46: haben.
00:18:47: Ja, die Anni Delanger war ja im Stadtrat vorher und auch im Landtag glaube ich.
00:18:53: Schade dass nicht mehr Frauen kandidiert haben damals.
00:18:55: man fragt sich natürlich auch warum?
00:18:58: War das waren die Männer so dominant?
00:19:01: Ja sicher war es eine Einübung.
00:19:03: also du hast selbst gesagt des Frauenwahlrecht gab's noch nicht lang weder passiv noch aktiv.
00:19:10: Und natürlich waren auch während der Weimarer Zeit eher die Männer bestimmend, es gab auch da nur sehr wenige Frauen und nach fünfundvierzig musste sich ja erst mal so eine demokratische Kultur wieder aufbauen und das ist ja nur ein knappes Jahr oder gutes Jahr nach Kriegsende.
00:19:26: Das heißt, dass waren eigentlich alles Menschen, die vor neunzehntreihen dreißig politisch aktiv waren.
00:19:31: Die wenigen Frauen, die vor dreieinhalb Jahren aktiv waren und noch da waren haben sich dann auch wieder engagiert.
00:19:36: Aber es gab keine neuen Frauen, aber es gab auch keinen neuen Männer zu dem Zeitpunkt.
00:19:41: Ja jetzt kommen wir kurz zum Oberbürgermeister noch.
00:19:44: der wurde damals ja nicht direkt gewählt so wie heute.
00:19:47: das war irgendwie noch anders geregelt?
00:19:49: Das Gremium hat ihn dann gewählt.
00:19:51: ähnlich wie beim Bundestag ist er den Bundeskanzler wählt.
00:19:54: War das da auch so?
00:19:55: Nach den Wahlen gab es eine konstituierende Sitzung, da wurde dann bestimmt wie für die Bürgermeister brauchen wir.
00:20:01: Man hat sich dann geeinigt auf einen Oberbürgermeisters, zwei Bürgemeister und Braun wurde erst mal wiedergewählt und hatte eben nicht direkt vom Volk aber durch eine demokratische Wahl mit einer hohen Wahlbeteiligung legitimierte Grundlage.
00:20:18: Also ich verstehe das eigentlich nicht so richtig weil Braun war ja vom Zentrum also CDU Und die hatten ja nicht die meisten Stimmen.
00:20:24: Das war die SPD, die wesentlich mehr Stimmen hatte.
00:20:26: Warum haben die nicht den Bürgermeistern in der OB gestellt?
00:20:31: Man hat sich gemerkt, es gab auch noch andere Ämter.
00:20:34: Die beiden anderen Bürgemeister wurden dann von der SPD besetzt.
00:20:39: Trotzdem wird sich doch heute keiner nehmen lassen, denn er so einen Vorsprung hat den Oberbürgermeisten...
00:20:45: Ja, das gibt es ja heute auch wieder bei großen Koalitionen ähnlich gespielt.
00:20:49: Aber damals tatsächlich glaube ich, dass es wirklich so ein großer demokratischer Konsens war und sagt wir müssen jetzt zusammenarbeiten mit allen Differenzen die wir sonst haben.
00:20:59: aber der gemeinsame Feind waren nur für Augen den Nationalsozialisten Und das Ziel... Wir wollen die Demokratie selbst aufbauen und nicht uns voneinander bestimmen lassen.
00:21:10: und dann hat man sich wahrscheinlich weniger auf solche Personaldebatten eingelassen.
00:21:14: Zumal er einen Vertrauensvorsprung hatte, also wie gesagt.
00:21:16: Er war vorhin als er dreiunddreißig aktiv.
00:21:21: Er hat ja dann einige Monate schon einen Vorsprung in den er offensichtlich gut regiert hat.
00:21:27: Das ist sehr geschickt gemacht und der hatte das Vertrauen der Amerikaner.
00:21:32: Wie viel Nazis gab es denn nach Kriegsende noch in Mannheim?
00:21:35: Hat man das mal gezählt oder versucht?
00:21:38: Nee ich glaube nicht versucht.
00:21:40: man kann sich schlecht zählen.
00:21:41: Ich hab so ein bisschen formuliert, diese Wahlen waren vielleicht mit die letzte Stunde der E-Mails verfolgten.
00:21:50: Wo sie in einer hohen Zahl da waren und es gab sogar ehemalige Nationalsozialisten, die eine bestimmte Funktion hatten oder die sehr früh der Partei beigetreten waren, waren vom Wahlrecht ausgeschlossen was man heute gar nicht mehr tun könnte und das hat auch keinen Gericht bestätigt sondern war einfach so bestimmt.
00:22:09: Das heißt, sie hatten noch gar keine Wahl sich irgendwie zum Ausdruck zu bringen, von daher wissen wir auch nicht wie viele gab es denn noch?
00:22:14: oder hätten sie sich zum Ausdrück gebracht wenn Sie hätten dürfen.
00:22:17: Ach haben die Amerikaner damals bestimmt also Nationalsozialisten der ersten Stunde von den
00:22:23: Eigentaten
00:22:24: nachweisen konnten?
00:22:25: Auch nicht.
00:22:26: oder wie war das genau?
00:22:27: Es gab bestimmte Kategorien und das war aber auch nie so ganz klar.
00:22:30: Also Kriegsverbrecher nicht Und das gab auch dann Diskussionen innerhalb des Wahlausschusses in Mannheim.
00:22:36: Wenen schließen wir aus und es wurde anschließend, man musste noch Bericht erstatten nach den Wahlen und wurde auch nach Karlsruhe zur Regierungsbezirk Baden und an die Militärregion gespiegelt für sowas brauche künftig klare Regelungen.
00:22:50: Es gab ja später keine Wahlauschlüsse mehr wie jedenfalls nicht aus Gründen politischer Verbundenheit.
00:22:56: Dann kam dann ehemalige Nationalsozialisten natürlich auch immer wieder in Verantwortung Nicht nur in der Politik, auch in anderen Bereichen.
00:23:06: Weil es bei den nächsten Wahlen gar nicht mehr solche Ausschlusskriterien gab?
00:23:10: Da konnten die alten Nazis wieder im Ämter- und Würden kommen...
00:23:14: Man vielleicht bei den Wahlen in den Achtundvierzig noch nicht aber zumindest wurde niemand mehr von seinem Wahlrecht ausgeschlossen.
00:23:22: Das war nämlich auch schwierig festzustellen wer hat welche Funktionen in der STRP Und das wurden dann auch kritisiert.
00:23:28: wie sollen wir das was sehr schwierig war in diesen Nahkriegsdrümmern, eine Wahlsorganisierung noch kontrollieren.
00:23:34: Wer hatte eigentlich welche Ämter drin?
00:23:36: Und im Wahlausschuss wurde auch kurz diskutiert wir müssen uns an die Bevölkerung spiegeln und sagen wer hat zum Beispiel Blockwart an der NSTP?
00:23:46: und da haben dann tatsächlich keine Riegel vorgeschoben.
00:23:48: Das können wir nicht machen.
00:23:49: das öffnet denunziationen Türen Tor und wir wissen gar nicht mehr.
00:23:54: aber dann weiß man nicht wie viel ausgeschlossen worden sind.
00:23:56: es waren Wissen wir, dass zwanzig Menschen gegen einen Ausschuss protestiert haben?
00:24:04: Ich war zwar in der NSDAP aber ich hatte keine große Rolle gespielt.
00:24:10: Neun davon wurden dann zugelassen.
00:24:13: also der Widerspruch wurde angenommen.
00:24:16: Elf blieben ausgeschlossen von der Wahl
00:24:18: und wie viel wurden ausgeschlossen das weiß man nicht.
00:24:22: Schade, zwei interessant gewesen.
00:24:24: Die Frage wer war noch da?
00:24:43: Ja, es war eine schwierige Zeit damals die Demokratie neu zu etablieren.
00:24:48: Frisch zu etablieren mit den Menschen die da waren und Dein Vortrag hat ja auf den ein wenig kritischen Überschrift unter Aufsicht der Amerikaner.
00:25:01: Aber war vielleicht auch nötig, ne?
00:25:04: Es gab keine andere Autorität.
00:25:06: erst mal und das war natürlich auch ein Legitimationsproblem, dass viele gesagt haben naja wenn die Amerikanerin ist ihr bestimmen warum soll ich wählen gehen?
00:25:15: aber anhand der Wahlbeteiligung kann man eigentlich sagen es können nicht so viele gewesen sein oder sie haben die Chance dann trotzdem wahrgenommen.
00:25:24: Und wahrscheinlich war das auch eine Erfahrung, die die Amerikaner wiederum machen mussten und sagen okay, es wurde akzeptiert.
00:25:30: Dann können wir die Zügel auch wieder weiter locker lassen und immer mehr Verantwortung abgeben also gegenseitiges Gegeben und nehmen und Vertrauen gewinnen vielleicht.
00:25:40: Am Schluss noch so eine Einschätzung ist es gelungen damals?
00:25:44: Hördest du das als gelungen bezeichnen?
00:25:46: dieser Staat der Demokratie in Mannheim?
00:25:49: Ja, aus dem Rückblick ist es immer leichter zu verurteilen.
00:25:53: Es hat sich dann noch einiges verändert aber klar bleibt bei der Demokratie was wenn man sich in das Zeitpunkt versetzt alles andere selbstverständlich war.
00:26:03: natürlich waren die Nationalsozialisten auch da.
00:26:05: vielleicht war auch dieser Stadtrat in dem mehr als fünfzig Prozent ehemals Verfolgte saßen gar nicht repräsentativ für die Mannheimer Bevölkerung und trotzdem wurde er akzeptiert wurde der erfolgreiche Stadt wieder, es wurden dann irgendwann Länder gegründet an ihr Bundesrepublik.
00:26:23: Von daher ist eigentlich einerseits sehr erstaunlich dass das so gelungen ist und ich würde es tatsächlich als eine gelungene Generalprobe nennen für die Demokratie was sich daran lag an dem Engagement dieser einzelnen Menschen unter diesem Konsens.
00:26:38: wir wollen selbst wieder und wir wollen weg von dem, was war und wie der Verantwortung
00:26:43: übernehmen.
00:26:44: Gut das war unser Podcast zum Thema Demokratie in Mannheim die ersten freien Wahlen nach forty-six und zu Gast im Studio war der Christian Groh Historiker im Archivum.
00:26:56: vielen Dank und mein Name ist Annette Lennartz.
00:27:02: Geschichten aus dem Bunker Der Podcast aus dem Archiv um Mannheims Archiv Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung Eine Co-Produktion mit der Kulturredaktion des Bermudafunk, dem freien Radio Rhein-Neckar unterstützt vom Freundeskreis Machivo.
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